„Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“ – dass Rokoko-Ikone Marie Antoinette diesen unbedarften Satz nicht geäußert hat, weiß man inzwischen. Dennoch ließe sich der berühmte Ausspruch schön auf einer Einladungskarte zur Barock Kostümparty zitieren. Nicht nur, weil der Rokoko als eigenständige Kunstform dem Barock entsprungen ist. Denn wenn es jemand verstand, das Versailler Schloss in eine einzige, große, aufregende Theaterbühne zu verwandeln, dann die wunderschöne, aber schrecklich oberflächliche Erzherzogin von Österreich und spätere Königin Frankreichs an der Seite von Ludwig XVI. Marie Antoinettes Lebensstil symbolisierte Verschwendung pur. Das Leben sollte so verspielt und leicht wie auf einer Bühne sein. Niemand am Hofe sah es gerne, dass sie sich für Modefragen ebenso interessierte wie für ausgefallene Frisuren. Bescheidenheit kannte das österreichische Mädchen nicht: Es wünschte von federleichten Stoffen und verschnörkeltem Interieur umgeben zu sein, träumte von romantischen Blumenmustern. Alles in allem ein durch sie geprägter Stil, der später als „Rokoko“ bekannt werden sollte. Eine ganze Dienerschaft kam ihrem Wunsch nach, in der Mode stets ganz weit vorne zu liegen. Schneider, Näher, Juweliere und Friseure hatten tagein, tagaus immer alle Hände voll zu tun.

Damit ist Marie Antoinette, als eine der auffälligsten, charismatischsten Figuren der Französischen Revolution, heutzutage ein perfektes Vorbild für ein Kostüm auf einer Barock Kostümparty. Man kleidet sich raffiniert und aufwändig, wirkt aber doch ungezwungen und natürlich. Ein prächtig-schillerndes Kleid in Pastellfarben mit Unterrock und verstärkter, atem(be)raubender Corsage lässt andere vor Neid erblassen. Zusätzliches Volumen erhält es durch einen Reifrock. Die Füße in eleganten Schnürschuhen, schreitet es sich noch königlicher durch die Menge. Barock-Perücke, pompöser Hut, schneeweiße Wangen, kirschroter Lippenstift und ein Schönheitsfleck runden ein umwerfendes Marie Antoinette-Kostüm ab. Fehlt nur noch der Balkon, von dem aus das personifizierte, zum Anbeißen aussehende und blumig parfümierte „Sahne-Törtchen“ zum Volk sprechen kann.

Bewundernde Blicke sind den Frauen garantiert – sehen sie als Gräfin, Mätresse oder Baroness doch einfach hinreißend aus. Insbesondere die verführerischen, figurbetonten Varianten der Kostüme als Freifrau oder Hofdame lassen Männer-Herzen höher schlagen. Doch auch die Herren werden sehnsuchtsvoll angeschmachtet. Etwa als flotter Dichter, der die Damenwelt nicht nur mit Worten, sondern mit seinem auffälligen Kostüm betört. Oder weil er mit seinen historischen, Schnallen besetzten Schuhen eine heiße Sohne auf das Parkett legt. Nicht zu verachten sind ferner ungewöhnliche Gehröcke oder fesche Kniebundhosen.

Der Barock war die Epoche der großen Feste. Alles musste verspielt, mit Beiwerk überladen sein. Die Übergänge ins Eigenartig-Groteske sind daher fließend. Neben feinen Gewändern gesellen sich deshalb kaum enden wollende Handschuhe, Rüschen, Schleifen, geheimnisvolle venezianische Masken, Perlen-Schmuck, Sonnenschirme oder Spitzenfächer auf eine Barock Party. Extravaganz sollte auch bei der Dekoration herrschen, immerhin besticht der Architektur- und Kunststil des 17. und 18. Jahrhunderts durch reiche, prunkvolle, verschnörkelte Verzierungen. Schwere Vorhänge, Stuhlhussen, Kerzen und Kronleuchter sorgen für ein feierliches Ambiente. Alternativ lässt sich die barocke Motto-Party als ein Freilicht-Event, etwa im Zelt, ausrichten. Marie Antoinette liebte heitere, sündhaft teure Feste unter freiem Himmel. So wurde ihr grauer Alltag auf Anhieb ganz bunt. Für Zerstreuung sorgt bestimmt auch Ihre Barock Kostümparty – und könnte Marie Antoinette ahnen, dass sie kleine Buttercremetörtchen auf einer Etagère stapeln wollen, würde ihre Kutsche sicherlich anhalten.

 

 

Barock Kostümparty

Barock Kostümparty (Bild: flickr Alaskan Dude 4378216620, Creative Commons Lizenz)